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Vincent will Meer – wenn deutsches Kino wieder Spaß macht.
Was erwartet man von einem Kinofilm, der die „Flucht“ eines Tourette-Kranken, einer Magersüchtigen und eines zwangsneurotischen Mannes erzählt? Man erwartet viel, da der Stoff des Filmes voller Tiefe und Schwere steckt, und nicht mit einfacher Leichtigkeit zu beschreiben ist.
Ich selbst bin kein Fan des deutschen Kinos. Warum? Dafür kann ich womöglich nicht mal einen richtigen Grund nennen. Es ist aber einfach so, dass deutsche Filme mich selten mitreißen, mich fesseln und zum nachdenken bringen. Jedoch brauche ich keine super teure Hollywood-Produktion oder Filme voll gepackt mit Klischees, ich brauche Menschen, Schicksale, das wahre Leben auf der Leinwand oder dem Bildschirm.
Und nun saß ich da im Kinosaal, war mir nicht sicher, was ich erwarten sollte, was mich erwarten würde. Ein Film vollgepackt mit so vielen Krankheiten, kann das gut gehen? Ja, das kann es! Warum? Weil „Vincent will Meer“ zeigt, auf was es doch am Ende immer wieder ankommt. Auf Mut. Auf Stärke. Auf Glaube. Denn, wenn 3 physisch und psychisch eingeschränkte Menschen die Welt da draußen erobern und mit ihr klar kommen können, dann können wir „Normalos“ das doch auch. Alles, was man braucht ist ein Ziel. Und mit Ziel meine ich nicht unbedingt einen festen Ort oder einen kompletten Plan. Wenn eine Stadt, eine Gegend oder ein Land das Ziel ist, dann OK. Wenn das Selbst, das Ich das Ziel ist, dann OK. Wenn Freiheit das Ziel ist, dann OK. Nur jeder selbst braucht dieses Ziel und den Mut und Willen alles dafür zu tun. Leichter gesagt als getan, oder? Aber was hält mich, dich und uns alle auf? Was? Die Angst nicht anzukommen, zu versagen, den Weg zu verlieren, allein zu sein? Was ist es, was festhält?
Komme ich aber mal lieber zurück zum Film, jedoch möchte ich nicht viel über die Handlungen und die einzelnen Charaktere schreiben, da sich jeder selbst davon überzeugen muss, um dann wiederum kritisch den Film beurteilen zu können.
Ich kann nur meine Meinung kurz und knapp dazu äußern:
Der Film lohnt sich für Filmfans, die tiefe Geschichten und Charaktere mit Seele sehen wollen. Mit Humor wird eine Thematik behandelt, an die sich nur wenige trauen, dabei werden so einige Zuschauer höchst wahrscheinlich ihre eigene Scheu gegenüber diesem Thema überwinden. „Vincent will Meer“ regt zum Nachdenken an, aber gibt auch Mut, denn jeder trägt einen kleinen Dämon oder Clown in sich, nur manchmal können wir diese in uns drin erfolgreich verstecken, aber manchmal gewinnen sie auch einfach zu viel Macht über uns. Was in so Momenten hilft, ist ein Ziel, vielleicht reicht aber sogar auch nur ein Traum.
Ohne typisches Happyend verfällt der Film keinem Kitsch und Klischee. Zeigt vielleicht genau so das wahre Leben, wie es manchmal sein kann.
Bilder: gut – eine Reise nach Italien in Bildern
Schauspieler: geniale Leistung – die Charaktere haben Seele und sind aus Fleisch
Musik: ein Soundtrack zum Träumen – vielleicht für einige zu träumerisch
Drehbuch: Florian David Fitz’s erstes Drehbuch – kann man stolz drauf sein
Geschichte insgesamt: anders, sehenswert, liebenswert, bdeutend
„Am Ende der Reise ist zwar niemand geheilt, aber alles anders.“


Ich finde den deutschen Film genau deshalb gut, weil er dezent, aber deutlich das “wahre Leben auf der Leinwand” zeigt. Sicherlich sollte man sich nicht an diese Schweiger-Bully Herbig-Kassenschlager-Komödien orientieren. Gut fand ich z.B. “Nackt”, “Keine Lieder über Liebe”, “Im Winter, ein Jahr”, “Berlin am Meer”, “Friendship!” und natürlich auch “vincent will meer”.